Ich sehe heute vieles anders!
- skcoach9
- 18. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Seit einigen Wochen arbeite ich wieder. Und etwas hat mich selbst überrascht:
Es fällt mir leichter, als ich gedacht habe. Ich habe Freude daran. Ich habe wieder Lust, Dinge anzupacken, Menschen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und etwas zu bewegen. Und trotzdem merke ich: Etwas ist anders geworden. Vielleicht sogar etwas Entscheidendes.
Ich habe einen großen Teil meines Lebens versucht, Dinge hinzubekommen. Probleme zu lösen. Verantwortung zu übernehmen. Für Kunden, Mitarbeiter, Freunde und Familie.
„Kriegen wir hin.“„
Ich kümmere mich darum.“
„Mach dir keine Gedanken.“
Das waren Sätze, die zu mir gehört haben.
Und grundsätzlich finde ich diese Haltung auch heute noch richtig. Ich möchte für andere da sein und Verantwortung übernehmen.
Aber nicht mehr um jeden Preis.
Denn ich merke heute viel schneller, wenn etwas in mir anfängt zu arbeiten. Wenn mich eine Situation belastet. Wenn mich etwas ärgert. Wenn ich merke, dass mir ein Mensch, ein Gespräch oder eine bestimmte Situation nicht guttut.
Früher hätte ich vieles davon heruntergeschluckt. Hätte versucht, diplomatisch zu bleiben. Hätte mir gesagt: Komm, reg dich nicht auf. Wird schon wieder.
Heute versuche ich etwas anderes:
Ich spreche Dinge an.
Manchmal auch sehr direkt. Vielleicht nicht immer so diplomatisch wie früher. Und vielleicht hört der andere auch einmal etwas, das ihm nicht gefällt.
Aber ich habe gelernt: Nur weil ich etwas nicht ausspreche, ist es nicht weg.
Es bleibt trotzdem da.
Im Kopf. Im Bauch. Irgendwo im Körper.
Ich beschäftige mich seit meiner Erkrankung sehr viel damit, was dauerhafte Belastung, Stress und unsere Psyche mit unserem Körper machen können. Ich weiß nicht, warum ein Mensch Krebs bekommt. Und ich würde mir niemals anmaßen zu behaupten, dafür eine einfache Erklärung zu haben.
Aber von einem bin ich heute überzeugt:
Unser Körper und unsere Seele sind keine zwei getrennten Welten.
Wenn ich dauerhaft gegen mich selbst lebe, alles in mich hineinfresse, Konflikte vermeide und ständig versuche, es allen anderen recht zu machen, dann kann das auf Dauer nicht gesund sein.
Deshalb gehört zu meinem „Trotzdem leben“ inzwischen auch etwas, das zunächst vielleicht egoistisch klingt:
Mehr auf mich selbst hören.
Nein sagen, wenn ich Nein meine. Dinge ansprechen, wenn sie mich belasten. Menschen und Situationen auf Abstand halten, wenn sie mir dauerhaft nicht guttun. Und nicht jedes Problem eines anderen automatisch zu meinem eigenen machen.
Das gelingt mir bestimmt noch nicht immer.
Aber ich merke schon nach diesen ersten Wochen zurück im Alltag:
Es fühlt sich verdammt gut an.
Vielleicht bedeutet eine zweite Chance im Leben eben nicht, danach alles wieder genauso zu machen wie vorher.
Vielleicht besteht die zweite Chance darin, endlich ein paar Dinge anders z
zu machen.
Trotzdem leben. Aber bewusster. Und ein bisschen mehr bei mir selbst.
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