Nach fast einem Jahr beginnt für mich ein neuer Abschnitt.
- skcoach9
- 26. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Am Montag beginnt für mich ein neuer Abschnitt.
Fast ein Jahr war ich aus dem Arbeitsleben heraus. Ein Jahr voller Untersuchungen, Chemotherapie, Hoffnungen, Rückschläge und vor allem vieler Gedanken. Nun starte ich mit einer Wiedereingliederung zurück in den Beruf.
Ich freue mich darauf. Ehrlich.
Ich habe wieder Lust, etwas zu bewegen, Menschen zu begegnen und gemeinsam Ideen umzusetzen. Ich möchte meinen Beitrag leisten und Verantwortung übernehmen – aber anders als früher. Nicht mehr mit dem Anspruch, alles allein tragen zu müssen. Ich habe gelernt, dass Verantwortung auch bedeutet, auf sich selbst zu achten.
Natürlich gehen mir viele Fragen durch den Kopf.
Wie sehr hat sich die Arbeitswelt in diesem einen Jahr verändert? Hat sie sich verändert – oder bin ich derjenige, der sich verändert hat?
Werde ich mit dem Tempo noch mithalten können? Immerhin werde ich in diesem Jahr 60. Wer braucht heute noch jemanden mit meiner Erfahrung?
Vielleicht ist das aber gar nicht die entscheidende Frage. Vielleicht geht es vielmehr darum, wie ich meine Erfahrung heute sinnvoll einbringen kann.
Früher habe ich meinen Erfolg wahrscheinlich stärker über meine Position, meinen Titel oder meine Verantwortung definiert. Heute ist das anders. Ich brauche keinen Titel mehr, um mich wertvoll oder erfolgreich zu fühlen. Entscheidend ist für mich, dass ich etwas bewirken kann, mit Menschen zusammenarbeite, die mir guttun, und jeden Abend mit einem guten Gefühl nach Hause gehe.
Vielleicht muss ich gar nicht mehr der Schnellste sein. Vielleicht ist es heute wichtiger, Ruhe zu bewahren, den Überblick zu behalten und mit der Erfahrung vieler Jahre die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Natürlich begleitet mich auch die Sorge um meine Gesundheit. Dieser Gedanke wird wahrscheinlich immer irgendwo im Hintergrund bleiben. Aber meine Untersuchungen geben mir Zuversicht und ich schaue mit einem guten Gefühl nach vorne.
Viel mehr Respekt habe ich davor, wieder in alte Muster zurückzufallen.
Immer funktionieren. Immer erreichbar sein. Immer noch etwas mehr leisten. Immer die Verantwortung übernehmen, auch wenn sie längst zu schwer geworden ist.
Genau das soll künftig anders werden.
Ich möchte Dinge offen ansprechen, bevor sie mich belasten. Ich möchte ehrlich sagen, wenn etwas nicht passt. Ich möchte bewusst Zeit mit Menschen verbringen, die mir guttun und Kraft geben. Und ich möchte den Mut haben, meinen eigenen Weg zu gehen – auch wenn er sich von meinem früheren unterscheidet.
Ich bin überzeugt, dass mir das gelingen wird. Nicht, weil jeder Tag einfach sein wird, sondern weil ich heute viel besser weiß, was mir wichtig ist und worauf ich achten muss.
Vielleicht ist genau das das größte Geschenk, das mir diese Krankheit trotz allem mitgegeben hat.
Sie hat mir nicht die Freude an der Arbeit genommen.
Sie hat mir gezeigt, dass Erfolg nicht nur bedeutet, immer mehr zu leisten, sondern auch das eigene Leben bewusst zu gestalten.
Am Montag beginnt deshalb nicht einfach nur meine Rückkehr ins Berufsleben.
Es beginnt ein neuer Lebensabschnitt – mit der gleichen Begeisterung wie früher, aber mit mehr Gelassenheit, mehr Klarheit und einem bewussteren Blick auf das, was wirklich zählt.
Und ganz ehrlich: Ich habe das Gefühl, dass jetzt noch einmal ein richtig guter Abschnitt meines Lebens beginnt.

Vielleicht erkennt sich der eine oder andere in diesen Gedanken wieder. Wenn ja, freue ich mich über einen Austausch. Denn manchmal hilft schon das Wissen, dass man mit seinen Fragen, Hoffnungen und Gedanken nicht allein ist.
Weitere Blog-Beiträge unter: Trotzdemleben Blog – Arbeiten & Leben nach Krankheit | Steffen Kruse



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