Wenn plötzlich alles langsamer werden darf.
- skcoach9
- 22. Apr.
- 2 Min. Lesezeit

Ich war in der Reha. Und eigentlich wusste ich von Anfang an: Es geht nicht nur um körperliche Stärke. Und trotzdem habe ich genau das gemacht, was ich immer gemacht habe: schneller sein wollen, besser sein wollen, die Übungen intensiver machen als andere, die Treppe lieber hochrennen als langsam gehen.
Bis der Körper sich gemeldet hat. Muskelkater, Schmerzen, Grenzen. Und irgendwann wurde mir klar: Es macht keinen Sinn, immer der Schnellste sein zu wollen. Vielleicht hat es das noch nie gemacht. Ich musste mir eingestehen: Ich bin nicht mehr der Alte. Und das ist keine Schwäche – sondern Realität.
Was mich wirklich überrascht hat: Es ging genauso viel um den Kopf wie um den Körper. Um Gedanken, um Muster, um den Druck, den man sich über Jahre selbst gemacht hat. In den Gesprächen mit den anderen wurde schnell klar: Wir sitzen alle im selben Boot. Zu viel Verantwortung, zu lange funktioniert, zu selten auf sich selbst gehört. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem der Körper sagt: Jetzt reicht’s.
Und gleichzeitig wurde mir eines ganz deutlich: Wir haben alle im Grunde dasselbe Ziel. Wieder gesund werden, wieder am Leben teilnehmen, den Krebs besiegen und wieder dabei sein. Vielleicht anders als früher, aber bewusster.
Was ich dort gelernt habe, klingt einfach – ist aber schwer umzusetzen: langsamer werden. Nicht mehr ständig vergleichen, nicht mehr immer gewinnen wollen, nicht mehr glauben, dass Druck automatisch zu besseren Ergebnissen führt.
Ein Satz ist mir besonders hängen geblieben: „Ihr Selbstwert darf nicht davon abhängen, ob Sie immer funktionieren.“
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir gewünscht, das früher zu verstehen. In den letzten Jahren meines Berufslebens hätte ich mir gewünscht, bewusster langsamer zu gehen, mir selbst den Druck zu nehmen, nicht immer nur weiter, schneller, mehr.
Wir alle wissen, wie groß der Druck im Alltag ist. Aber wir vergessen oft, dass wir ihn uns auch selbst machen – und ihn genauso auch wieder loslassen können.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Es ist kein Zeichen von Schwäche, langsamer zu werden, sondern ein Zeichen von Klarheit.
Und wenn ich eines mitgeben kann: Wartet nicht, bis euch der Körper ausbremst. Fangt vorher an. Denn am Ende geht es nicht darum, immer zu funktionieren – sondern wirklich zu leben.